Montag, 10. Dezember 2018
Ein Jugendlicher beroht einen anderen mit geballter Faust. [Quelle: Imago, Foto: Emil Umdorf] Lupe

Zivilcourage: ja, Fäuste: nein.

Polizei Bremen: So geht Zivilcourage richtig

Man geht nichts ahnend die Straße entlang und plötzlich wird man ungewollt Beobachter davon, wie ein Mensch einen anderen bedroht oder gar verletzt. Was nun? Man möchte helfen, aber sich nicht selbst in die Schusslinie bringen – wie kann man trotzdem stark auftreten, Stichpunkt Zivilcourage, und eine heikle Situation deeskalieren? Maike Seifert von der Präventionsstelle der Polizei Bremen weiß, wie man am besten reagiert – und hat ein tolles Angebot, um mehr darüber zu lernen!


Wie verhalte ich mich, wenn ich eine heikle Situation beobachte, zum Beispiel in der Bahn?


Zuerst ist es ganz wichtig, dass man einmal schaut, ob man einen Mitstreiter hat und sich nicht alleine dazwischen stellt. Es nützt nämlich niemandem etwas, wenn es am Ende zwei Opfer gibt. Vielleicht gibt es noch andere Passagiere. Außerdem gibt es Sprechstellen in der Straßenbahn. Da kann man einen Knopf drücken und eine Verbindung zum Fahrer aufbauen und der hilft einem dann.


Wie sehen diese Sprechstellen aus?


Das sind kleine, leider leicht unscheinbare Kästen, auf denen auch "Sprechstelle" draufsteht und die meistens in der Nähe der Tür hängen. Wenn man also einsteigt, sollte man vielleicht schon einmal schauen, wo sich so ein Kasten befindet.


Woran erkenne ich eine heikle Situation, die droht zu eskalieren, und wann schreite ich ein?


Man muss die Situation genau beobachten, und am besten ist es immer, den Unterlegenen anzusprechen, denn wenn man den Täter anspricht, wird der einem natürlich sagen "Hier ist nichts, verschwinde!" Oft hilft es schon zu sagen, dass man die Polizei ruft. Das sollte man möglichst aus sicherer Entfernung tun, damit man nicht zwischen den Kontrahenten steht, und häufig löst sich eine Situation dadurch schon auf.


Wie spreche ich denn das unterlegene Opfer an?


Einfach ganz direkt fragen: "Brauchen Sie Hilfe?" oder "Soll ich die Polizei rufen?" Wichtig ist, dass man denjenigen siezt – auch für den Täter. So können Außenstehende erkennen, dass man die Person nicht persönlich kennt und dass es kein Streit unter Freunden ist. Sonst hilft am Ende keiner. Am Ende muss man auch einfach schauen, wie das Opfer dann reagiert, und zur Not ist es immer besser, einmal mehr 110 zu wählen.


Muss ich auch etwas in meinem Auftreten beachten?


Auf jeden Fall nicht provozieren, das nützt nichts. Wenn ich ihn beschimpfe, dann wird er nur noch wütender, und dann wird man am Ende selbst angegriffen. Am besten bleibt man so neutral, aber selbstbewusst wie möglich und das immer aus sicherer Entfernung.


Ist Pfefferspray zur Selbstverteidigung eine gute Idee?


Das finde ich ganz schwierig, denn Pfefferspray muss man zuerst schütteln, bevor man es benutzt, damit sich die Flüßigkeit verbindet, man muss die Windrichtung prüfen, und so lange wartet kein Täter. Was auch passieren kann: Der Täter nimmt es mir weg, und am Ende habe ich das Pfefferspray selbst im Auge. Eine Bewaffnung führt oft nur dazu, dass eine Situation eskaliert. Deshalb lieber darauf verzichten. Schützen kann man sich auch mit einem Schrillalarm oder eine Trillerpfeife. Damit kann man auf sich aufmerksam machen.


Was sagt man demjenigen, von dem die Provokation oder Bedrohung ausgeht?


Am besten nimmt man sich da raus, verlässt die Situation und geht weg. Und wenn die eigenen Freunde das als feige empfinden, dann sind das keine Freunde. Man muss sich nicht immer beweisen.


Es gibt noch ganz viele Tipps, wie man lernt, sich in solchen Situationen gut zu verhalten – in einem Workshop, richtig?


Genau. Das Ganze heißt "Starkes Auftreten statt starker Fäuste" und das machen wir einmal im Monat. Es geht um die Gefahrenerkennung- und vermeidung. Was muss man eigentlich alles mitnehmen? Wie kann ich in einer Situation reagieren, vor allem, wenn mich der Täter provoziert, denn das kommt leider häufig vor. Im Prinzip ist es ein bunter Strauß an Möglichkeiten, denn jeder Mensch ist anders, und es gibt keine Generallösung, aber man kann verschiedene Situationen durchspielen, und jeder kann sich raussuchen, was zu ihm passt.


Präventionskurs der Polizei Bremen
16. Januar 18.00 bis 19.30 Uhr, die Teilnahme ist kostenlos und mitmachen können alle ab 14 Jahren. Anmeldungen unter: 0421 362 19003 oder praeventionszentrum@polizei.bremen.de





 


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